Man muss Geduld haben

mit dem Ungelösten im Herzen (Rilke)

Was ist Psychotherapie?

Psychotherapie ist in Österreich ein gesetzlich anerkanntes und wissenschaftlich fundiertes Verfahren zur Behandlung von psychischen Leiden und Erkrankungen. Dabei wird angenommen, dass Körper und Psyche eine Einheit bilden. Krankheiten, Symptome oder Leidenszustände können sowohl Ursache als auch Ausdruck eines psychischen Ungleichgewichts sein. Psychotherapeut:innen unterstützen ihre Patient:innen mit dem Ziel, sie in schwierigen Lebenssituationen zu begleiten, psychische Leiden zu lindern und die seelische Gesundheit zu fördern.

Eine wichtige Voraussetzung für eine Psychotherapie ist der Wunsch nach Veränderung und die Bereitschaft, sich mit den eigenen Gefühlen und Erlebnissen auseinanderzusetzen. Diagnostik und Behandlungsplan sind Bestandteile des psychotherapeutischen Prozesses, in dem Lösungen erarbeitet und die Persönlichkeitsentwicklung gefördert werden.

Nur Personen, die in der Psychotherapeutenliste des Bundesministeriums für Gesundheit, Familie und Jugend eingetragen sind, dürfen sich Psychotherapeut:innen nennen. Sie haben in ihrer jahrelangen Ausbildung umfassende Kompetenzen für alle Krankheitsbilder und Leidenszustände erworben.

Menschen jeden Alters können Psychotherapie in Anspruch nehmen.

 

Prinzipien der Psychotherapie

  • Freiwilligkeit

Psychotherapie erfolgt auf der Grundlage des Einverständnisses der Klient:innen.
Die Freiwilligkeit der Psychotherapie ist wesentlich.

  • Verschwiegenheit

Psychotherapeut:innen sind zur Verschwiegenheit über alle ihnen in der Ausübung ihres Berufes anvertrauten oder bekannt gewordenen Geheimnisse verpflichtet. Nur die Klient:innen selbst können die Psychotherapeut:innen in besonderen Ausnahmefällen von dieser Verschwiegenheitspflicht entbinden.

  • Freie Psychotherapeut:innenwahl

Wichtig für den psychotherapeutischen Erfolg ist eine Vertrauensbeziehung, da nur dadurch ein offenes Gespräch und die Aufarbeitung von Problemen möglich sind. Dies setzt voraus, dass Sie Ihre:n Psychotherapeut:in frei wählen können.


Wann hilft Psychotherapie?

Psychotherapie hilft:

  • bestehende Leidenszustände und Symptome zu mindern oder zu beseitigen
  • Botschaften der Psyche zu entschlüsseln
  • Belastende Einstellungen und Verhaltensweisen zu ändern
  • Gesundheit, Reifung und persönliche Entwicklung zu fördern
  • Krisen zu bewältigen und als Chance zu nützen
  • Selbstwertgefühl und Lebensfreude zu steigern

Wenn beispielsweise einer der folgenden Sätze auf Sie zutrifft:

Ich bekomme rasendes Herzklopfen und Angst, dass ich sterben muss oder habe Schmerzen für die nach medizinischer Abklärung keine Erklärung gefunden wurde.

Ich habe Ängste vor dem Kontakt mit Menschen, vor großen Plätzen, vor engen Räumen, vor Autoritäten, vor bestimmten Tieren, ...

Ich plage mich oft mit Gedanken, von denen ich glaube, dass ich mit niemandem darüber sprechen kann (Hoffnungslosigkeit, Suizidgedanken, Schuldgefühle, Hassgefühle ...).

Ich fühle mich antriebs- und lustlos, ständig überfordert und habe Probleme beim Ein- und Durchschlafen.

Ich befinde mich in einer belastenden Umbruchsituation (Tod, Arbeitslosigkeit, Scheidung, Trennung, Unfälle ...).

Ich bin süchtig - nach Alkohol, Drogen, Essen, Hunger, Liebe, Spiel.

Ich kann ohne bestimmte Rituale (z. B. ständiges Waschen, Zusperren ...) nicht leben, obwohl diese mein Leben sehr einengen.

Ich habe Schlimmes erlebt und kann mit niemandem darüber sprechen.

Ich komme mit meiner Sexualität nicht zurecht.

ich bin oft niedergeschlagen und habe keine Freude am Leben oder bin traurig und vereinsamt.

ich denke manchmal an Selbstmord.

Meine persönliche Lebenssituation ist schwierig - ich möchte etwas ändern.

Ich möchte meine Entwicklungspotentiale besser ausschöpfen und weiss nicht wie.


Erklärung der Berufsgruppen

Unterschied Psychotherapeut:innen | Psycholog:innen | Facharzt/Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie (Psychiater)

Im Gesundheitsbereich gibt es eine Vielzahl von Berufsbezeichnungen, die sich sehr ähnlich anhören, was es oft schwierig macht, den Überblick zu bewahren. Zu diesen Berufen gehören Psychiater, Psychotherapeut und Psychologe, die alle eine gemeinsame Verbindung zur Psyche haben, also zur Seele, zum Geist und zum Gehirn. Trotz dieser Gemeinsamkeit unterscheiden sich die drei Berufsgruppen in wesentlichen Aspekten. Jeder dieser Berufe erfordert eine spezifische Ausbildung, die sich in Dauer, Inhalt und Zielsetzung unterscheidet.

Ein Psychiater ist ein Facharzt, der sich auf die Diagnose und Behandlung von psychischen Störungen spezialisiert hat und in der Regel Medikamente verschreiben kann und diesbezüglich auch für die Überprüfung der Wirkung und Nebenwirkungen der Medikamente zuständig ist. Seine Ausbildung umfasst ein Medizinstudium sowie eine Facharztausbildung.

Ein Psychotherapeut hingegen konzentriert sich auf die therapeutische Behandlung von psychischen Leiden durch Gespräche und andere psychologische Methoden. Eine Psychotherapie begleitet oftmals eine medikamentöse Behandlung - so arbeiten Psychotherapeut und Psychiater zusammen. Die Psychotherapieausbildung umfasst eine Grundausbildung (Propädeutikum/ neu: Bachelor-Studium) und eine Fachausbildung (Fachspezifikum/ neu: Master-Studium), die Verpflichtung zum Besuch vorgegebener Stunden an Lehrtherapie (Selbsterfahrung), die Absolvierung eines Praktikums sowie begleitender Supervision.

Ein Psychologe beschäftigt sich mit dem Studium des menschlichen Verhaltens und der mentalen Prozesse und kann in verschiedenen Bereichen wie Forschung, Beratung oder Therapie tätig sein. Die Ausbildung umfasst ein Universitätsstudium der Psychologie und zur selbständigen Behandlung oder Untersuchung ist eine Zusatzausbildung als Klinischer Psychologe oder Gesundheitspsychologe notwendig.

Abgrenzung Psychotherapie und Psychosoziale Beratung (Lebensberatung)

Hier ist klar die Behandlung von Beratung zu unterscheiden. Psychotherapeut:innen sind zur Behandlung psychischer Störungen und Krankheitsbilder befugt, was bedeutet, dass sie umfassend ausgebildet sind, um tiefgreifende psychische Probleme zu diagnostizieren und therapeutische Interventionen durchzuführen, die auf die spezifischen Bedürfnisse und Herausforderungen der Patient:innen zugeschnitten sind.

Psychosoziale Berater:innen hingegen dürfen nicht behandeln, sondern beraten. Ihre Rolle beschränkt sich darauf, Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu unterstützen, indem sie ihnen helfen, kurzfristige Lösungen für Lebenskrisen, Beziehungsprobleme, berufliche Herausforderungen oder persönliche Entwicklungsprozesse zu finden. Die Beratung ist wesentlich kürzer und auf ein konkretes Ziel ausgerichtet, was bedeutet, dass sie oft in wenigen Sitzungen abgeschlossen werden kann und sich auf die unmittelbare Problemlösung konzentriert.

Die Psychotherapie hingegen greift weit tiefer und bleibt nicht an der Oberfläche, sondern behandelt den Menschen als Ganzes, indem sie sich mit den zugrunde liegenden Ursachen von psychischen Problemen auseinandersetzt und langfristige Veränderungen anstrebt. Psychotherapeut:innen behandeln Krankheiten, indem sie evidenzbasierte Methoden anwenden, um die psychische Gesundheit ihrer Patient:innen zu verbessern. Im Gegensatz dazu sind Psychosoziale Berater:innen eher präventiv oder unterstützend bei alltäglichen Herausforderungen tätig, indem sie Menschen helfen, ihre Ressourcen zu mobilisieren und ihre Resilienz zu stärken, um zukünftige Probleme besser bewältigen zu können.